Symptome des Multiplen Myeloms

In den frühen Stadien des Myeloms treten oft gar keine Symptome auf, und in manchen Fällen wird das Myelom nur durch Zufall bei Routine-Blutuntersuchungen entdeckt. Wenn Symptome auftreten, sind sie häufig vage und denen anderer Erkrankungen ähnlich.

Die Tabelle unten führt einige der häufigeren Symptome auf, beschreibt die zugrunde liegenden biologischen Prozesse und gibt die Behandlungsoptionen für den jeweiligen Fall an. Beachten Sie bitte, dass gewöhnlich bei keinem Patienten alle diese Symptome gleichzeitig auftreten.

Seltener auftretende Symptome des Multiplen Myeloms entstehen durch Komplikationen im Verlauf der Erkrankung. Das sind unter anderem:

  • Hypervsikositätssyndrom: es tritt auf, wenn die Proteinkonzentration im Blut sehr hoch wird, und das Blut sehr dickflüssig wird. Anzeichen der Hyperviskosität sind Kurzatmigkeit, Verwirrung und Brustschmerzen.
  • Kryoglobulinämie: sie kann auftreten, wenn das Paraprotein so beschaffen ist, dass es in Form fester Teilchen aus der Lösung ausfällt, wenn es niedrigen Temperaturen ausgesetzt ist. Diese Partikel können kleine Blutgefäße verschließen und bei kaltem Wetter Symptome wie Schmerzen und Taubheit in Fingern und Zehen verursachen.
  • Amyloidose: eine seltene Kompikation, die am häufigsten bei Patienten auftritt, deren Plasmazellen nur Leichtketten produzieren. Leichtketten können sich mit anderen Serumproteinen verbinden und dadurch Amyloid-Protein bilden, eine stärkeähnliche Substanz. Das Amyloid-Protein kann in verschiedenen Geweben und Organen abgelagert werden – einschließlich Nervenstränge, Nieren, Leber, und Herz – und dadurch deren normale Funktionen beeinträchtigen. Es kann sich auch an die Wände von Blutgefäßen anlagern, wodurch diese ihre Elastizität verlieren, und es schwierig wird, einen normalen Blutdruck aufrecht zu erhalten. Amyloidose kann Neuropathien (Taubheit, Kribbeln und/oder Schmerzen insbesondere in Händen und Füßen), zu niedrigen Blutdruck und Nieren-, Herz- oder Leberversagen hervorrufen. Amyloidose ist eine Erkrankung, die auch bei Menschen, die kein Multiples Myelom haben, auftreten kann.

Symptome

Nierenprobleme:

Überschüssiges Protein im Blut, das durch die Nieren herausgefiltert wird, kann Nierenschädigungen verursachen und zu Nierenversagen führen. Erhöhte Kalziumwerte im Blut (Hyperkalzämie) überlasten die Nieren und verursachen eine Reihe von Symptomen wie Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Muskelschwäche, Unruhe, Konzentrationsschwierigkeiten, Verwirrung, Verstopfung, Durst, vermehrte Urinproduktion, Schwindel und Erbrechen.

Behandlungsoptionen:

  • Flüssigkeitszufuhr
  • Vermeidung nicht-steroider entzündungs-hemmender Medikamente und intravenöser Kontrastmittel
  • für Hyperkalzämie: Flüssigkeitszufuhr und Steroide plus Bisphosphonate

Schmerzen:

Ein häufiges frühes Symptom des Multiplen Myeloms ist das Auftreten von Schmerzen im  unteren Rücken- oder im Rippenbereich. Sie sind die Folge kleiner Brüche in den Knochen, die durch die Anhäufung von Plasmazellen und durch die geschwächte Knochenstruktur verursacht werden.

Behandlungsoptionen:

  • Geeignete Körperhaltung / -stützung
  • körperliche Aktivität (Physiotherapie)
  • Bisphosphonate
  • Strahlenbehandlung
  • Kyphoplastie oder Vertebroplastie

Müdigkeit:

Wenn sich die Anzahl der bösartigen Plasmazellen im Knochenmark erhöht, kann das Wachstum und die Entwicklung roter Blutzellen dadurch unterdrückt werden, was zu einer erniedrigten Anzahl von roten Blutkörperchen im Blut führt (Anämie). Anämie kann zu ungewöhnlicher Müdigkeit und zu anomaler Blässe führen.

Behandlungsoptionen:

  • Erythropoietin- oder Darbepoetin-Therapie
  • Transfusionen (Anämie)

Häufig wiederkehrende Infektionen:

Myelompatienten haben ein bis zu 15-fach erhöhtes Risiko für Infektionen, insbesondere Lungenentzündung. Wenn die Anzahl an Myelomzellen ansteigt, produziert das Blut oft  weniger weiße Blutzellen, was zu einer insgesamt erniedrigten Immunität gegenüber Infektionen führt (bakterielle Lungenentzündung, Infektionen der Harnwege und Gürtelrose).

Behandlungsoptionen:

  • Geeignete Antibiotika-Therapie
  • für immer wiederkehrende und lebensbedrohliche Infektionen: intravenöse Immunglobulin- Therapie

Störungen des Nervensystems:

Geschwächte und eingebrochene Knochenstrukturen können auf Nervenstränge drücken, was zu starken Schmerzen, Kribbeln oder Taubheit führen kann. Myelomzellen produzieren oft abnorme Proteine, die in großen Mengen eine gefährliche Verdickung des Blutes verursachen können, die man Hyperviskosität nennt.

Behandlungsoptionen:

  • Als medizinischer Notfall zu behandeln
  • kontaktieren Sie sofort Ihren Arzt zwecks einer genaueren Untersuchung.

Diagnose des Multiplen Myeloms

Die Diagnose des Multiplen Myeloms erfolgt in manchen Fällen im Rahmen einer Routine-Blutuntersuchung. So legen zum Beispiel eine Anämie und ein hoher Proteinspiegel im Serum weitere Untersuchungen nahe.

Wenn ein Myelom vermutet wird, sollte ein Spezialist konsultiert werden, der in der Behandlung des Myeloms Erfahrung hat, um die Erkrankung genauer zu beurteilen und einen Behandlungsplan zu entwickeln. Die meisten Patienten gehen zu einem Hämatologen bzw. Onkologen. Hämatologen sind spezialisiert auf Bluterkrankungen, Onkologen behandeln Krebserkrankungen - häufig durch Chemotherapie. In manchen Fällen wird auch ein Radiologe konsultiert.

Kriterien für die Diagnose

Die Diagnose des Multiplen Myeloms ist auf der Basis nur eines einzelnen Labortests schwierig zu erstellen. Eine exakte Diagnose erfolgt im Allgemeinen aufgrund der Berücksichtigung mehrerer Faktoren wie allgemeiner Gesundheitszustand, Vorerkrankungen, Symptome und Laborergebnisse.
Eine Reihe von Labor- und sonstigen medizinischen Untersuchungen werden durchgeführt, um die Diagnose eines Myeloms abzusichern. Sie sollten zu einer ersten Einschätzung bei allen Patienten durchgeführt werden. Es ist wichtig, dass die Patienten sich diesen Untersuchungen unterziehen, da sie den Ärzten helfen, die Therapieoptionen zu bestimmen. Sie dienen auch dazu, den Erkrankungszustand zu beurteilen und die Behandlung zu planen und zu überwachen.
Richtlinien zur Diagnose erfordern derzeit den Nachweis, dass ein Hauptkriterium und ein Nebenkriterium oder drei Nebenkriterien bei Patienten mit Symptomen eines Myeloms erfüllt sind.

Hauptkriterien:

  • ein durch eine Biopsie nachgewiesenes Plasmozytom
  • eine Knochenmarkprobe mit mindestens 30 % Plasmazellen
  • erhöhter monoklonaler Immunglobulinspiegel im Blut oder im Urin

Nebenkriterien:

  • eine Knochenmarkprobe mit 10 % bis 30 % Plasmazellen
  • ein geringfügiger monoklonaler Immunglobulinspiegel im Blut oder im Urin
  • Löcher in Knochen aufgrund des Tumorwachstums
  • abnorm niedrige Antikörperspiegel (nicht durch die Krebszellen verursacht) im Blut.

Die Referenzwerte für Laboruntersuchungen werden im Folgenden erklärt und aufgeführt.

Blut- und Urin-Tests:

  • Durch ein großes Blutbild werden die Anzahl der roten und weißen Blutkörperchen, der Blutplättchen und die Anzahl bzw. die Verhältniszahlen der verschiedenen Typen von weißen Blutzellen ermittelt. Dadurch wird festgestellt, ob irgendeiner dieser Zahlenwerte außerhalb des Referenzbereiches liegt. Die Zelltypen und ihre Referenzbereiche sind in der folgenden Tabelle enthalten.
  • Eine chemische Analyse des Blutes dient der Feststellung der Spiegel verschiedener Blutkomponenten wie Albumin, Harnstoff-Stickstoff (BUN), Kalzium, Kreatinin und Laktatdehydrogenase (LDH). Erhöhte Harnstoff-Stickstoff- und Kreatininwerte weisen auf eine reduzierte Nierenfunktion hin, während der LDH-Spiegel zur Abschätzung der Tumormasse dient.
  • Der Beta-2-Mikroglobulinspiegel (β2-M) im Serum steht im Zusammenhang mit der Tumormasse und wird inzwischen als Standardmaß für die Tumorlast angesehen.
  • C-reaktives Protein ist ein Ersatzmarker für IL-6 (ein Wachstumsfaktor für Myelomzellen), d.h. der Verlauf seines Spiegels folgt demselben Muster wie der von IL-6.
  • Quantitative Messungen der Immunglobuline ergeben die Spiegel verschiedener Typen von Antikörpern (IgG, IgA, IgM).
  • Mit der Elektrophorese werden die Spiegel verschiedener Proteine im Blut (Serum-Protein-Elektrophorese, SPEP) oder im Urin (Urin-Protein-Elektrophorese, UPEP) gemessen. Ein zusätzlicher Test, die Immunelektrophorese (IEP) oder Immunfixation, dient dazu, genauere Informationen über den Typ des vorhandenen abnormen Antikörperproteins zu erhalten. Die Feststellung der Mengenänderungen und Mengenverhältnisse verschiedener Proteine – insbesondere des M-Proteins – dient dazu, die Progression des Myeloms und die Reaktion auf die Behandlung zu verfolgen. Das Myelom ist gekennzeichnet durch einen starken Anstieg des M-Proteins, welcher als Spitze in der Elektrophorese erscheint (siehe Abbildung 1).
  • Aus dem 24-Stunden-Urin und über die UPEP wird die Menge an Protein im Urin gemessen. Etwa 50 % der Patienten haben Myelomprotein im Urin. Diese Messungen dienen dazu, das Erkrankungsstadium der Patienten festzustellen und das Fortschreiten der Erkrankung sowie das Ansprechen auf die Behandlung einzuschätzen.
  • Eine Serum-Untersuchungsmethode namens FREELITE ist inzwischen verfügbar, mit der freie Leichtketten (Leichtketten, die nicht mit intakten Immunglobulinen verbunden sind), entdeckt und quantifiziert werden können. Die Erfahrung zeigt, dass mit diesem Test eventuell das Risiko einer Progression von einer monoklonalen Gammopathie unbestimmter Signifikanz (MGUS) zum Multiplen Myelom eingeschätzt werden kann.

Abbildung 1: Bei der Elektrophorese (EP) wird eine Serum- oder Urinprobe auf ein Stück Elektrophorese-Gel gebracht. Die Proteine in der Probe wandern über das Gel bis zu verschiedenen Stellen, wenn ein elektrischer Strom an das Gel angelegt wird. Das Gel wird eingefärbt und in ein Analysegerät eingelegt, das eine Kurve (oben) erzeugt. Das abnorme Antikörper-Protein erscheint als eine deutliche Spitze, weil die Moleküle des M-Proteins alle gleich groß sind und sich deshalb an derselben Stelle ansammeln. Bei gesunden Menschen ist die Spitze viel niedriger und breiter (gepunktete Linie). Mit der Urin-Elektrophorese kann man Bence-Jones-Proteine feststellen.

Knochenuntersuchungen

Die folgenden Untersuchungen der Knochen werden durchgeführt:

  • Mit Röntgenuntersuchungen und anderen bildgebenden Verfahren können Veränderungen in der Knochenstruktur und Anzahl und Größe von Knochenläsionen bestimmt werden.
    • Alle Patienten sollten einer Ganzkörperuntersuchung des Skeletts unterzogen werden. Das ist eine Serie von Röntgenaufnahmen des Schädels, der Wirbelsäule, der Arme, des Beckens und der Beine.
    • Bei manchen Patienten ist ebenfalls erforderlich:
      • Eine Magnetische Resonanztomographie (MRT), ein Verfahren, das magnetische Felder für die Erzeugung detaillierter Bilder von Knochen und Weichteilgewebe verwendet.
      • Eine Computertomographie (CT), mit der dreidimensionale Röntgendarstellungen erzeugt werden.
  • Mit einer Knochenmarkaspiration oder einer Knochenmarkbiopsie kann man eine erhöhte Anzahl von Plasmazellen im Knochenmark feststellen. Eine Aspiration erfordert eine Probe flüssigen Knochenmarks, eine Biopsie eine Probe festen Knochengewebes. Das Vorgehen bei diesen Untersuchungen ist ähnlich, außer dass für eine Biopsie eine größere Nadel erforderlich ist. Bei beiden Verfahren werden Proben aus dem Hüftknochen entnommen und unter dem Mikroskop untersucht, in seltenen Fällen muss die Knochenprobe aus dem Brustbein entnommen werden. Der Prozentsatz an Plasmazellen wird bestimmt. Wenn mehr als 10 % der Zellen in der Probe Plasmazellen sind, ist ein Multiples Myelom wahrscheinlich. Mit den Plasmazellen aus einer Knochenmarkaspiration wird eine Chromosomenanalyse mittels konventioneller Karyotypisierung und Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) durchgeführt. Die Vermehrungsfähigkeit der Plasmazellen kann aus derselben Knochenmarkprobe entweder über den Labelingindex oder die Analyse des Plasmazell-Zyklus ermittelt werden.

 

Abbildung 2: Röntgendarstellung eines Röhrenknochens und eines Schädels mit Knochenläsionen.

Sie möchten uns unterstützen?

Die Selbsthilfegruppe finanziert sich durch Spenden und freie Zuwendungen. Mit Ihrer Spende helfen Sie, unsere Arbeit in der Plasmozytom / Multiples Myelom Selbsthilfe zu unterstützen.